Antimilitarismus

10. June 2006 - 16:22

Kriegsdienstverweigerung ist ein wichter Aspekt von Gewaltfreiheit und antimilitaristischer Aktion. Ich weigerte mich selbst 1986, Wehr- und Ersatzdienst zu leisten, und hatte daher bis 1991 Prozesse am Hals.
Dieser Abschnitt enthält einige Artikel, die ich geschrieben habe, und gibt einige Informationen zum Themenfeld Gewaltfreiheit und Antimilitarismus. Ich bemühe mich, diesen Bereich Schritt für Schritt zu erweitern.

28. April 2011 - 17:40

Repression im (nach)-revolutionären Ägypten

Am 7.

1. March 2010 - 0:00

Sich dem Militarismus zu verweigern ist nicht möglich ohne die Verweigerung hegemonialer Männlichkeit

  • Andreas Speck, War Resisters'

18. February 2010 - 12:25

Aldermaston Blockade am 15. Februar 2010. Foto: VredesactieAldermaston Blockade am 15. Februar 2010. Foto: VredesactieAm 15. Februar blockierten ca. 500 AktivistInnen die britische
Atomwaffenfabrik in Aldermaston bei Reading. An der Aktion, die von Trident Ploughshares, Aldermaston Women's Peace Camp(aign), und der Campaign for Nuclear Disarmament (CND) organisiert wurde, beteiligte sich auch ein von der War Resisters' International organisiertes internationales Kontingent mit TeilnehmerInnen aus Belgien, Deutschland, Finnland, der Niederlande, Schweden, Schweiz, und Spanien.

26. October 2009 - 21:43

Vom 15.-18. Oktober fanden in Berlin eine Reihe von Treffen statt, um nach Strasbourg über die Weiterarbeit gegen die NATO und den Krieg in Afghanistan zu diskutieren. Dabei ging es insbesondere um die europaweite und internationale Zusammenarbeit.

16. April 2009 - 23:00

Je mehr Gewalt, desto weniger Revolution “, schrieb Bart de Ligt bereits 1936 in “The Conquest of Violence”. Folgt man dem, gab es in Strasbourg trotz aller Revolutionsromantik aus bestimmten Kreisen sehr wenig Revolution. Ich stelle dies vorweg um klar zu machen, dass es hier um eine Kritik aus revolutionärer Perspektive geht, und nicht um eine grün- oder Linkspartei staatsreformistische, das staatliche Gewaltmonopol bejahende Kritik an Gewalt.

5. March 2009 - 22:28

Nicht erst seit dem Ende des Kalten Krieges hat sich die Nato – die Nordatlantische Vertragsorganisation – beträchtlich über das hinaus ausgedehnt, was man die „nordatlantische“ Region bezeichnen könnte. In Wirklichkeit expandierte die Nato hauptsächlich im östlichen und südöstlichen Europa. Aber die Nato ist mehr als bloß eine nordamerikanische und europäische Angelegenheit. Sie hat jetzt globale Verbindungen und Partnerschaften, und einige Strategen schlagen vor, die Nato hin zu einer „globalen Allianz von Demokratien“ zu entwickeln.

24. January 2009 - 17:00

Gewaltfreie Aktion gegen NATO

Am 4. April 1949 wurde mit der Unterzeichnung des NATO-Vertrages die "Nordatlantische Vertragsorganisation” ins Leben gerufen. Am 3. und 4. April 2009 treffen sich die Staats- und Regierungschefs und die Delegationen der 26 NATO-Staaten in Baden Baden und Straßburg, um mit einem NATO-Gipfel den 60. Geburtstag der NATO zu feiern. WRI-Mitarbeiter Andreas Speck berichtet (Red.).


Seit ihrer Gründung 1949 nahm die NATO für sich in Anspruch, den sogenannten freien Westen gegen den angeblich aggressiven Kommunismus zu verteidigen. Wäre dies wirklich die Existenzberechtigung der NATO gewesen, hätte sich nach dem Warschauer Pakt auch die NATO 1991 auflösen müssen. Dies geschah jedoch nicht.

Während des Kalten Krieges heizte die NATO über 40 Jahre lang das Wettrüsten an, was die unsinnigen Aktionen sowjetischer Rüstungspolitik nicht legitimieren kann. Freigegebene Dokumente belegen aber: Strategisches Ziel der NATO war – zumindest über viele Jahre – die militärische Zurückdrängung der Sowjetunion bzw. die Revision der Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges. Während des Kalten Krieges war die NATO mit der geheimen Operation Gladio ebenfalls an Repression gegen linke Bewegungen innerhalb der NATO-Staaten beteiligt, mit Verbindungen auch zu den Militärputschen in Griechenland 19671 und der Türkei 19802.

Nach Ende des Kalten Krieges und der Auflösung des Warschauer Paktes wendete sich die NATO sehr schnell neuen Aufgaben zu.

Vom Verteidigungs- zum Interventionsbündnis

Schon 1991 mit der “Römischen Erklärung” richtete sich die NATO strategisch neu aus. Ein Angriff aus dem Osten war nicht mehr wahrscheinlich, stattdessen wurden als “neue Risiken” die Konsequenzen wirtschaftlicher, sozialer und politischer Schrierigkeiten in Mittel- und Osteuropa formuliert, auf die die NATO vorbereitet sein müsse3.

Basierend auf dieser Neudefinition wurde das “Verteidigungsbündnis” mit zahlreichen Militärinterventionen 'out-of-area' aktiv. Ab Juli 1992 begannen NATO-Kriegschiffe in der Adria, das UN-Waffenembaro gegen Serbien und Montenegro zu überprüfen und später auch durchzusetzen4. Dies war der Beginn einer Entwicklung, die zur NATO-Militärintervention zunächst in Bosnien und schliesslich zur völkerrechtswidrigen Bombardierung Jugoslawiens und der NATO-Militärintervention im Kosovo führte.

Heute ist die NATO an zahlreichen Orten militärisch aktiv. In Afghanistan seit 2003 mit ca. 60.000 SoldatInnen, im Kosovo seit 1999 mit heute ca. 16.000 SoldatInnen, im Mittelmeer seit Oktober 2001 mit bis zu 2.000 SoldatInnen bei der Operation Active Endeavour, und im Irak seit August 2004 mit einer Trainingsmission mit 140 SoldatInnen. Mit diesem Einsatz unterstützt und legitimiert die NATO faktisch die durch die US- und britische Besatzung geschaffenen Fakten und eingesetzte irakische Regierung. Der ”Anti-Piraten-Einsatz” vor der Küste Somalias5 wurde am 12. Dezember 2008 an die Europäische Union übergeben und firmiert jetzt unter dem Namen ATALANTA6.

Von diesen Militäreinsätzen ist der Einsatz in Afghanistan zentral7. Dabei geht die Allianz in Afghanistan immer aggressiver und rücksichtsloser vor. So zeigt sich auch immer deutlicher, was Besatzungstruppen bewirken: Sie brutalisieren die Gesellschaft, schaffen mehr Elend und mehr Bombentote. Von Januar 2006 bis Juli 2008 wurden mehr als 1000 afghanische Zivilisten direkt Opfer von Militäreinsätzen der NATO und der USA8.

Über die in Afghanistan praktizierte zivil-militärische Zusammenarbeit wird selbst die Entwicklungshilfe in die NATO-Kriegsanstrengungen eingebunden. So kritisierte Caritas International im Juni 2008, dass "die Ausschüttung der Hilfsgelder nicht an den tatsächlichen Hilfs-Bedarf gekoppelt ist, sondern sich vielmehr an der Aufstandsbekämpfung orientiert." Auf dem NATO-Gipfel in Bukarest wurde beschlossen, die zivil-militärische Aufstandsbekämpfung generell zum Operationsschwerpunkt aktueller und künftiger NATO-Missionen zu machen9.

Nukleare Teilhabe

Teil der gültigen NATO-Strategie ist die Teilhabe von Nicht-Atomwaffenstaaten an den Atomwaffen der NATO. Das Strategiepapier von 1999 betont die “Notwendigkeit” einer breiten “Teilhabe ... europäischer Bündnispartner an nuklearen Aufgaben, der Stationierung von Nuklearstreitkräften auf ihrem Hoheitsgebiet im Frieden und an Führungs-, Überwachungs- und Konsultationsvorkehrungen”, und stellt fest, dass “[d]as Bündnis ... daher angemessene nukleare Streitkräfte in Europa beibehalten” wird10.

Atomwaffen der USA sind daher in Deutschland in Büchel, in Belgien in Kleine Brogel, in den Niederlanden in Volkel, in Italien in Aviano und Ghedi-Torre, sowie in Incirlik in der Türkei stationiert11. Die "nukleare Teilhabe" würde es im Kriegsfall ermöglichen, dass Piloten aus einem nicht-nuklearen Staat, der Mitglied des Atomwaffensperrvertrages ist, Atomwaffen einsetzen, was eine Vertragsverletzung darstellt12.

Darüberhinaus schliessen weder die NATO, noch die Atomwaffenstaaten in der NATO – USA, Großbritannien und Frankreich – einen Ersteinsatz von Atomwaffen aus.

Eine neue NATO-Strategie: mehr Militärinterventionen

Doch es geht der NATO in Straßburg und Baden Baden nicht nur ums Feiern. Es geht vor allem darum, die Entwicklung der NATO zu einem aggressiven Interventionsbündnis, wie sie mit der Erklärung von Rom 1991 begonnen wurde, weiter zu betreiben. Daher wird bei diesem Gipfel die Diskussion um eine neue NATO-Strategie begonnen werden, die die 1999, während des Kosovo-Krieges beschlossene, derzeit gültige Strategie13 dann 2010 – wenn denn alles 'glatt' geht – ablösen soll.

Eckpunke einer neuen Strategie wurden von fünf ehemaligen hohen NATO-Militärs in einem Papier “Towards a grand stratey” Ende 2007 propagiert. Die Risikoanalyse wird darin noch globaler, und sieht die zukünftigen Risiken vor allem in religiösem und politischen Fundamentalismus, der “dunklen” Seite der Globalisierung (internationale Terrorismus, das organisierte Verbrechen und die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen), sowie dem Klimawandel und der Sicherheit der Energieversorgung (Kontrolle von Ressourcen und durch Klimawandel und resultierende Konflikte ausgelöste Bevölkerungsbewegungen).

Um diesen Herausforderungen gewappnet zu sein, soll die NATO daher, so die Autoren des Papiers, an der Option des Ersteinsatzen von Atomwaffen festhalten.14

Um als Bündnis handlungsfähiger zu werden, schlagen die Autoren ebenfalls die Aufgabe des Konsensprinzips bei Entscheidungen in NATO-Gremien zugunsten von Mehrheitsentscheidungen vor, das heißt schnelleres Handeln durch Abschaffung des Vetorechtes der Mitgliedsstaaten. Bedeutend ist insbesondere die Abschaffung von nationalen Vorbehalten bei NATO-Operationen, wie sie zum Beispiel den Afghanistan-Einsatz “belasten”. Zukünftig soll es daher bei NATO-Einsätzen für Mitglieder, die an dem betreffenden Einsatz nicht beteiligt sind, kein Mitspracherecht geben.

Das Völkerrecht soll durch den Einsatz von bewaffneter Gewalt auch ohne Autorisierung durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, wenn „sofortiges Handeln erforderlich ist, um Menschenleben in großer Zahl zu schützen15, weiter ausgehölt werden.

Auch wenn dies derzeit noch keine offiziellen Vorschläge sind, so ist doch davon auszugehen, dass sie bei den anstehenden Diskussionen eine wichtige Rollen spielen werden.

Während die USA sich bereits bemühen, eine Raketenabwehr mit Basen in Polen und der Tschechischen Republik aufzubauen, strebt die NATO auch die Entwicklung einer eigenen Raketenabwehr an. Dies wird auch Thema des Gipfeltreffens im April 2009 in Straßburg und Baden Baden sein.16

Teil der Weiterentwicklung der NATO ist auch die weitere Ausweitung der NATO, insbesondere Richtung Osten. So werden beim Gipfel in Straßburg und Baden Baden voraussichtlich die neuen NATO-Mitglieder Albanien und Kroatien endgültig aufgenommen werden17. Die NATO bemüht sich auch weiterhin um die Einbeziehung der Ukraine, Georgiens, Mazedoniens und von Bosnien und Herzegowina, mit denen es individuelle Partnerschaftsabkommen mit dem langfristigen Ziel einer NATO-Mitgliedschaft gibt18.

Auch ohne Krieg: Die NATO tötet

Auch ohne Kriege tötet die NATO schon jetzt. Die in den Militärausgaben der NATO gebundenen Finanzmittel fehlen für andere Zwecke, zum Beispiel für Sozialleistungen, zur Armutsbekämpfung oder Gesundheitsversorgung. Und dabei geht es nicht um “Peanuts”. Zusammengenommen betragen die Militärausgaben aller NATO-Mitgliedsstaaten mehr als 70% der gesamten Militärausgaben in der Welt. Davon entfallen auf die USA allein ungefähr die Hälfte der globalen Militärausgaben. Frankreich und Großbritannien sind für weitere 10% verantwortlich.

Nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstitutes SIPRI sind in den letzten 10 Jahren die Militärausgaben weltweit um 45% angestiegen, und betrugen 2007 die unglaubliche Summe von 1339 Milliarden Dollar. In Osteuropa sind die Militärausgaben von 1998 bis 2007 um 162 Prozent gestiegen. Aus Expertensicht ist der NATO-Beitritt ehemaliger kommunistischer Länder Osteuropas der wichtigste Grund für die gestiegenen Militärausgaben dieser Staaten, die versuchen ihre Militärstruktur dem Standard der NATO-Länder anzupassen19.

NATO-ZU – Gewaltfreie Aktion gegen NATO

Zum NATO-Gipfel in Straßburg und Baden Baden werden von einem breiten internationalen Bündnis vielfälftige Protestaktionen vorbereitet. Das gemeinsam bei einer internationalen Vorbereitungskonferenz in Stuttgart am 4./5. Oktober 2008 verabschiedete Aktionskonzept beinhaltet:

  • eine Gegenkonferenz am 3. April 2009 in Straßburg;
  • eine internationale Demonstration am 4. April 2009, ebenfalls in Straßburg. Zu dieser Demonstration wird es aus Kehl eine Zubringerdemonstration geben;
  • Aktionscamps
  • Aktionen Zivilen Ungehorsams.

Aktionen Zivilen Ungehorsams werden von verschiedenen Gruppen sowohl für die Arbeitsessen der Aussen- und Verteidigungsminister sowie der Staats- und Regierungschefs am 3. April in Baden Baden sowie für den Morgen des eigentlichen NATO-Gipfels am 4. April in Straßburg vorbereitet.

Unter dem Arbeitstitel “NATO-ZU – Gewaltfreie Aktion gegen NATO” haben sich verschiedene gewaltfreie Organisationen – die War Resisters' International, Vredesactie aus Belgien, die Werkstatt für gewaltfreie Aktion Baden, der Bund für soziale Verteidigung, die DFG-VK und andere – sowie Einzelpersonen zusammengeschlossen, um im Rahmen der von einem breiten Spektrum getragenen Aktionen Zivilen Ungehorsams ebenfalls eine Aktion für Straßburg vorzubereiten.

Ziel der Aktion ist es, einen der Hauptzufahrtswege zum Tagungsort in Straßburg mit einer Sitzblockade und einem Menschenteppich zu blockieren. Damit wird symbolisiert: Die TagungsteilnehmerInnen (z.B. Kanzlerin Merkel, Präsident Sarkozy, Präsident Obama) müssen ihre Fahrzeuge stehen lassen und über die liegenden Personen hinübersteigen, um zum Veranstaltungsort zu gelangen. Sie erfahren dabei, was die Realität in 60 Jahren NATO war und ist: die NATO geht über Leichen.

Derzeit arbeiten die genannten Organisationen an der praktischen Vorbereitung der Aktion. Hilfe wird dringend benötigt. Beteiligt Euch! Mobilisiert für die Aktionen! Organisiert Aktionstrainings, und kommt vom 1. bis 5. April nach Baden Baden und Straßburg.

Andreas Speck

1. April 2006 - 0:00

Als War Resisters' International nehmen wir für uns das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung in Anspruch, und wir erkennen nicht an, das Staaten das Recht haben sollen, uns zum Kriegsdienst zu zwingen. Gleichzeitig arbeiten wir auf der internationalen Ebene, um die allgemeine Anerkennung des Rechtes auf Kriegsdienstverweigerung durchzusetzen.

1. April 2005 - 0:00

Russische AntimilitaristInnen demonstrierten gegen den Krieg in Tschetschenien

Der 23. Februar ist in Russland heute der "Tag der Verteidiger des Vaterlandes" (ehemals "Tag der Roten Armee") und offiziell ein Feiertag. Vor 61 Jahren, am 23. Februar 1944, fanden auf Anordnung Stalins die Deportationen der TschetschenInnen und InguschetInnen statt. Die "Autonome Aktion Moskau" nimmt diesen "Feiertag" bereits seit Jahren zum Anlass, auf den Krieg in Tschetschenien aufmerksam zu machen. In diesem Jahr organisierte sie ein "Festival der Deserteure" in Moskau. (Red.)